Unvergessene Pokalkämpfe vor 60 Jahren

Hintere Reihe v.l.: Christian Weih (Spielleiter), Hans Koch,
Heinz Luger, Hans Wägner, Rudolf Wacker, Karl Kellner,
Alfred Muschick, Willi Wolf (Betreuer)

Vordere Reihe v.l.: Hans Klaußner, Erwin Hauser,
Otto Holzmann, Rudolf Krämer, Hans Satzinger

Willi Wolf liefert hier hoch interessante Unterlagen. Willi Wolf war Schriftführer der Fussballabteilung von 1949 - 1956, Abteilungsleiter der Leichtathleten 1950 - 1955 und Spieler in der erfolgreichsten Fussballmannschaft, die der TSV Lauf je hervorbrachte. Dieser Ruf begründet sich vor allen Dingen in den noch heute unvergessenen Pokalspielen im Spieljahr 1952.

Der Weg zum Endspiel um den Bayernpokal

Nach dem Scheitern im Pokalhalbfinale des Jahres 1951 gegen den TSV Schwabach wollte man es im Jahr 1952 wissen. Im ersten Spiel auf Bezirksebene wurde der Landesligist SV Gostenhof mit 5:2 Toren besiegt. Hans Schmidt, der bekannte Kreisjugendleiter, verletzte sich schwer und konnte die folgenden Spiele nicht mehr mitmachen. Gegen den TSV Katzwang ging es bereits um die mittelfränkische Pokalmeisterschaft. Die Laufer besiegten Katzwang mit 5:2 Toren. Genau der Tag des Vereinssportfestes im Juni war der Termin für die Auseinandersetzung mit dem Pokalsieger aus Oberfranken, dem 1. FC Lichtenfels, der so namhafte Vereine wie SpVgg Bayreuth, FC Bayern Hof und FC Bamberg ausgeschaltet hatte. Vor Beginn des Spieles beteiligte sich die 1.Mannschaft geschlossen am Festzug durch die Laufer Innenstadt. An dem heißen Junitag ersparten sie sich somit das Warmlaufen. In dem anschließenden, packenden und temperament-vollen Spiel wurde Lichtenfels mit 3:2 Toren besiegt und die Spieler von den begeisterten Anhängern auf den Schultern vom Platz getragen.

Bereits acht Tage später gab es einen weiteren Leckerbissen für die Laufer Fußballfans. Der Pokalsieger Unterfrankens, Würzburg 04, war zu Gast an der Röthenbacher Straße. Mehr als 2.000 Zuschauer waren gekommen, als unter den Klängen der Amboß-Polka die Mannschaften auf den Rasen kamen. Die um zwei Klassen höher stehenden Gäste zeigten ein hervorragendes Spiel und hatten neben Spielmacher Oswald einen glänzend aufgelegten Torwart Schwenzl (damaliger Auswahltorhüter) zwischen den Pfosten.

Aber Kampfeswille, Einsatz und Ehrgeiz können im Fußball Berge versetzen. Mit 2:1 wurde der sehr starke Gegner bezwungen. Damit war der Nordbayerische Pokalsieg errungen und das bayerische Endspiel gegen den TSV Gersthofen erreicht. Die Mannschaft bestand aus Otto Holzmann (Mendo), Erwin Hauser (Prakl), Rudolf Krämer (Tango Max), Hans Klaußner (Klasse), Hans Satzinger, Rudolf Wacker, Hans Wägner, Hans Koch, Heinz Luger (Tschikus), Karl Keller (Kutte) und Alfred Muschick (Schnax). Mit den in Klammern angegebenen Künstlernamen haben sich die Spieler oftmals untereinander zugerufen. Es war die unbändige Freude am Spiel und die ausgezeichnete Kameradschaft, welche den großen Erfolg möglich machten.

Großer Anlauf zum Pokalfinale 1952

Kunigundenfest verhindert Austragung

Der Bayerische Fußballverband legte in Anbetracht der nahenden Sommerpause den Termin für das Endspiel um den Bayernpokal auf den ersten Juli-Sonntag fest. Da zu diesem Zeitpunkt immer das Kunigundenfest stattfindet, lehnte der TSV-Vorstand diesen Spieltag ab. Dem Verband blieb keine andere Wahl, als die Austragung erst nach der vierwöchigen Spielpause durchzuführen. Aber genau vor diesem neuen Termin hatte die Fußballabteilung eine Queralpenfahrt mit den Spielerfrauen geplant und die wurde auch durchgeführt. Vierzig Personen starteten nach Murnau. Das Freundschaftsspiel gegen die Murnauer wurde mit 5:4 Toren gewonnen. Bereits am nächsten Tag wurde der TSV Oberammergau hoch mit 7:3 Toren geschlagen. Doch bereits in diesen Spielen war der erste Substanzverlust innerhalb der Mannschaft festzustellen, der ganz große Schwung war weg. Über Garmisch und Wasserburg bezog man vier Tage vor dem Finale das Quartier in der Sportschule Grünwald. Trainer Hans Koch versammelte seine Mannen mehrere Male auf dem herrlichen Sportgelände zu leichtem Training.

Gersthofen feierte scheinbar schon vor dem Spiel

Ausgerechnet über Gersthofen, der Stadt des Endspielgegners, führte am Sonntagmorgen die Fahrt nach Donauwörth. In Gersthofen spielte eine Trachtenkapelle als die Laufer vorbeikamen. „Die feiern bereits am Vormittag den Pokalsieger“ und ähnliche Bermerkungen gingen durch den Bus. Zahlreiche Zuschauer waren aus Lauf angereist, der spätere TSV-Vorsitzende Georg Stiegler hatte schon ein vorgefertigtes Transparent im Gepäck und von der Stadt Lauf waren Vorbereitungen für den Empfang im Gange. Aber leider kam es anders. Die Laufer Elf kämpfte zwar unverdrossen, war aber an diesem Tag spielerisch nicht in Hochform. Das Spiel ging glatt mit 0:3 verloren. Karl Schuster, Sportchef der Pegnitz-Zeitung, war damals persönlich in Donauwörth und überschrieb seinen sehr sachlichen Bericht mit der Überschrift „Kurz vor dem großen Ziel gescheitert“.

Am 25.6.1960 trat die Mannschaft zum letzten Mal in alter Formation zu einem Freundschaftsspiel gegen die Alten Herren des 1. FC Nürnberg an. Die Pokal-Elf konnte mit 3:2 gewinnen. Die Zuschauer klatschten herzlichen Beifall, als die Akteure vom Feld trabten, ziemlich verausgabt, aber schmunzelnd, mit dem sichtbaren und zufriedenen Ausdruck: „Gell, wir können es noch“ in den Gesichtern. Das Bild zeigt die damalige Mannschaft kurz vor dem Spiel.

von Willi Wolf